February 26, 2026 von adminix_dcl

EU AI Act: Was Geschäftsführer jetzt über die KI-Kompetenzpflicht wissen müssen

Digitalisierung Künstliche Intelligenz Mittelstand

Seit dem 2. Februar 2025 ist es offiziell: Die KI-Kompetenzpflicht aus dem EU AI Act ist in Kraft. Für Geschäftsführer von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist das mehr als nur eine neue Vorschrift – es ist eine dringende unternehmerische Aufgabe mit direkten Auswirkungen auf die persönliche Haftung. Wer jetzt nicht handelt, riskiert nicht nur empfindliche Strafen, sondern gefährdet die Zukunft seines Unternehmens. Dieser Artikel erklärt, was die neuen Regeln für Sie bedeuten und wie Sie Ihr Unternehmen pragmatisch und rechtssicher aufstellen.

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Die Uhr tickt: Seit Februar 2025 ist KI-Kompetenz für alle Betreiber Pflicht

Viele wiegen sich in Sicherheit und glauben, der EU AI Act betreffe nur Entwickler von Hochrisiko-KI. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Artikel 4 der KI-Verordnung, der die KI-Kompetenz regelt, ist bereits seit Anfang Februar 2025 für eine breite Masse an Unternehmen bindend. Die entscheidende Frage ist: Sind Sie ein „Betreiber“ im Sinne des Gesetzes?

Die Antwort lautet mit hoher Wahrscheinlichkeit: Ja. Ein Betreiber ist jedes Unternehmen, das ein KI-System unter seiner Autorität für geschäftliche Zwecke nutzt. Das schließt den Einsatz gängiger Tools wie ChatGPT für die Texterstellung, Microsoft Copilot zur E-Mail-Zusammenfassung oder ein CRM-System mit KI-gestützter Lead-Bewertung ausdrücklich mit ein. Eine Ausnahmeregelung für KMU gibt es nicht. Sobald ein Mitarbeiter in Ihrem Auftrag ein KI-Tool nutzt, sind Sie in der Pflicht.

Eine Mitarbeiterin in einem Großraumbüro, die an einem Online-Kurs zur KI-Kompetenz teilnimmt, was die Notwendigkeit von Schulungen gemäß EU AI Act zeigt.
Gezielte Schulungen sind der Schlüssel zur Erfüllung der KI-Kompetenzpflicht.

Was bedeutet „ausreichende KI-Kompetenz“ für Ihre Mitarbeiter?

Die Verordnung fordert ein „ausreichendes Maß an KI-Kompetenz“ für alle Personen, die mit KI-Systemen arbeiten. Doch was heißt das konkret? Es geht nicht darum, jeden Mitarbeiter zum Programmierer auszubilden. Vielmehr zielt das Gesetz auf ein fundiertes Anwenderwissen ab, das auf drei Säulen ruht:

  1. Technisches Grundverständnis: Mitarbeiter müssen die grundlegende Funktionsweise der von ihnen genutzten KI-Tools verstehen. Sie sollten wissen, dass eine KI auf Wahrscheinlichkeiten basiert und Fehler machen kann („Halluzinationen“), und in der Lage sein, KI-generierte Inhalte kritisch zu hinterfragen.
  2. Regulatorisches Wissen: Ein grundlegendes Bewusstsein für die rechtlichen Leitplanken ist unerlässlich. Dazu gehört vor allem der Datenschutz und KI, aber auch das Urheberrecht. Mitarbeiter müssen wissen, welche Daten sie in eine KI eingeben dürfen (keine sensiblen Kunden- oder Geschäftsgeheimnisse in öffentliche Tools!) und wie sie mit den Ergebnissen umgehen müssen.
  3. Ethisches Bewusstsein: KI-Systeme können bestehende Vorurteile (Bias) reproduzieren und verstärken. Mitarbeiter, die KI beispielsweise zur Vorauswahl von Bewerbern oder zur Kundensegmentierung nutzen, müssen für die Risiken von Diskriminierung sensibilisiert sein.
KompetenzbereichPraxisbeispiel für MitarbeiterWarum es für Geschäftsführer wichtig ist
TechnikEin Marketing-Mitarbeiter erkennt, dass ein von der KI generiertes Bild nicht die Realität abbildet und verwendet es nicht für eine Werbekampagne.Vermeidung von irreführender Werbung und Reputationsschaden.
RechtEin Vertriebsmitarbeiter gibt keine personenbezogenen Kundendaten in ein öffentliches KI-Tool ein, um eine Zusammenfassung zu erstellen.Vermeidung von DSGVO-Bußgeldern und Datenlecks.
EthikEine HR-Mitarbeiterin hinterfragt kritisch die Vorschläge eines KI-Bewerbertools, das überproportional Kandidaten eines bestimmten Geschlechts vorschlägt.Vermeidung von Klagen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Die Haftungsfalle: Warum Unwissenheit für Geschäftsführer teuer wird

Jetzt kommt der entscheidende Punkt für Sie als Geschäftsführer: Ein direkter Verstoß gegen die Schulungspflicht in Artikel 4 ist zwar nicht mit einem Bußgeld belegt. Die mangelnde KI-Kompetenz wird Ihnen jedoch als Organisationsverschulden zur Last gelegt, wenn durch den fehlerhaften Einsatz von KI ein Schaden entsteht. Und dann wird es teuer.

Stellen Sie sich vor, ein nicht geschulter Mitarbeiter lädt eine vertrauliche Kundendatei in ein öffentliches KI-Tool, um eine Analyse zu erstellen. Die Daten werden Teil des Trainingsmodells des KI-Anbieters. Das ist ein klarer DSGVO-Verstoß. Die Folge können Bußgelder von bis zu 4 % des weltweiten Jahresumsatzes sein. In einem solchen Fall wird die Aufsichtsbehörde prüfen, ob Sie als Geschäftsführung Ihrer Pflicht nachgekommen sind, den Mitarbeiter angemessen zu schulen und durch klare Richtlinien zu schützen. Können Sie das nicht lückenlos dokumentieren, haften Sie persönlich.

Diese indirekte Haftung erstreckt sich auf zahlreiche Bereiche:

  • Datenschutzverstöße (DSGVO)
  • Urheberrechtsverletzungen durch Nutzung geschützter Werke im KI-Input oder -Output
  • Diskriminierung (AGG) durch fehlerhafte KI-Entscheidungen
  • Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht durch irreführende KI-Inhalte
  • Verlust von Geschäftsgeheimnissen
Ein Team von Mitarbeitern in einem Workshop zum EU AI Act, was die Bedeutung von praktischen Schulungen zur KI-Kompetenz unterstreicht.
Praxisnahe Workshops helfen, die Anforderungen des EU AI Act im Team zu verankern.

In 4 Schritten zur Compliance: Ein pragmatischer Plan für KMU

Die gute Nachricht: Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Mit einem strukturierten Vorgehen können Sie die Anforderungen pragmatisch umsetzen und Ihr Haftungsrisiko minimieren. Eine grundlegende KI-Readiness ist der erste Schritt.

  1. Schritt 1: Bedarfsanalyse durchführen
    Verschaffen Sie sich einen Überblick: Welche KI-Tools werden in Ihrem Unternehmen bereits eingesetzt – offiziell und inoffiziell? Bewerten Sie die damit verbundenen Risiken. Daraus leiten Sie ab, welche Mitarbeiter welche Art von Schulung benötigen.
  2. Schritt 2: Ein Schulungskonzept erstellen
    Implementieren Sie eine Basisschulung für alle Mitarbeiter, die die Grundlagen (Was ist KI? Was sind die Risiken? Was sind unsere Regeln?) abdeckt. Für Abteilungen mit intensivem KI-Einsatz (z.B. Marketing, HR, Entwicklung) sind vertiefende, anwendungsspezifische Trainings sinnvoll.
  3. Schritt 3: Klare KI-Richtlinien definieren
    Erstellen Sie eine schriftliche Anweisung für den Umgang mit KI. Legen Sie fest, welche Tools erlaubt sind, welche Daten eingegeben werden dürfen und wie KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen und zu prüfen sind. Diese Richtlinie ist ein zentraler Baustein Ihrer Enthaftung.
  4. Schritt 4: Alles lückenlos dokumentieren
    Dokumentieren Sie jede durchgeführte Schulungsmaßnahme: Wer hat teilgenommen? Was waren die Inhalte? Lassen Sie sich die Teilnahme schriftlich bestätigen. Bewahren Sie Ihre KI-Richtlinien versioniert auf. Im Schadensfall ist diese Dokumentation Ihr wichtigster Nachweis, dass Sie Ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht nachgekommen sind.
Eine Checkliste für KI-Richtlinien auf einem Schreibtisch, die den strategischen Ansatz zur Dokumentation der KI-Kompetenz im Unternehmen darstellt.
Eine lückenlose Dokumentation von Schulungen und Richtlinien ist entscheidend für die Rechtssicherheit.

Fazit: KI-Kompetenz ist keine Kür, sondern unternehmerische Pflicht

Der EU AI Act markiert eine neue Ära der Digitalisierung. Die Pflicht zum Aufbau von KI-Kompetenz ist keine bürokratische Hürde, sondern eine notwendige Leitplanke für den sicheren und wertschöpfenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Mittelstand. Für Geschäftsführer ist es eine klare Aufforderung, die Zügel in die Hand zu nehmen, die eigene Organisation zu befähigen und sich selbst vor empfindlichen Haftungsrisiken zu schützen. Warten Sie nicht, bis der erste Schadensfall eintritt. Handeln Sie jetzt.

Möchten Sie wissen, wie Sie die Anforderungen des EU AI Act pragmatisch und ohne großen Aufwand in Ihrem Unternehmen umsetzen können? Wir bieten eine TÜV-zertifizierte KI-Beratung und helfen Ihnen, eine passgenaue Strategie für Ihr KMU zu entwickeln. Sprechen Sie uns an für eine unverbindliche Erstberatung.

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